Kyriaki Koukouraki

Kulturelle Identitätskrise im Griechenland der ottonischen Ära

Περίληψη

Die ottonische Ära in Griechenland, d.h. die Zeit zwischen 1833 und 1862, erwies sich in vielerlei Hinsicht als ein tiefer und nachhaltiger Einschnitt in die Geschichte und die Kultur des Landes. Sie beginnt mit der Gründung eines neuen souveränen griechischen Staates, der von einer zum Teil 400jährigen Türkenherrschaft befreit wurde. Auf Initiative der Schutzmächte erhielt das Königreich Griechenland den damals noch minderjährigen Prinzen Otto, zweiter Sohn König Ludwigs von Bayern – eines bekennenden Philhellenen, zum König. In dessen Begleitung waren deutsche Regenten und insgesamt etwa 5.000 Militärs sowie eine Vielzahl von Handwerkern und Beamten, die meist aus Bayern stammten. Durch die Befreiung von der Türkenherrschaft und die Bildung des modernen griechischen Staates kam Griechenland Europa wieder näher. Doch diese politische Annäherung hatte auch großen Einfluss auf Bräuche und kulturelle Werte. So ist eine Abwendung von den eher morgenländischen Gewohnheiten und Anlehnung an die eher abendländischen nachzuweisen. Vermittelt wurden diese neuen kulturellen Werte u.a. durch die in Griechenland lebenden Bayern, aber auch durch den von vormals in Europa lebenden und studierenden Griechen, die nach der Befreiung in ihre Heimat zurückkehrten. Die erwähnte Umorientierung ereignete sich auf allen Ebenen des Lebens: angefangen von der äußeren Erscheinung, d.h. der Kleidung, über neue Umgangsformen, z.B. Begrüßungsgesten, bis hin zur Umorientierung von gesellschaftlichen Werten, wie u.a. der Stellung der Frau. Die befürchtete „Bavarisierung“ der griechischen Gesellschaft spiegelte sich in der Einführung eines neuen Rechtssystems statt, dass im Wesentlichen mit dem bayrischen Recht identisch war und der Einführng bayerischer Uniformen und Reglements in der griechischen Armee wieder. Jedoch auch inner-griechische Konflikte, wie die Sprachfrage, erschwerten die Suche nach einer neuen griechischen Identität, die europäischer sein sollte. Nicht zu unterschätzen war auch die Verunsicherung der Griechen, hervorgerufen durch die idealisierte Vorstellung der Fremden, die in ihnen die Griechen der Antike wieder sehen wollten. Die Annahme einer neuen Identität, d.h. das Ersetzen alter Traditionen und Werte durch neue, bedarf jedoch einer gewissen Anpassungsphase, die im diesem Fall ausgeblieben war, da es sich um einen rapiden und nicht selten abrupten Prozess handelte. Somit war Ergebnis dieser Suche zunächst eine Identitätskrise, die sogar zum Teil von einer Orientierungslosigkeit geprägt war.

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